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Chlorgesänge

Chlorgesänge

By: Ute Zill Martina Schrey
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Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die Jahreskarte der Berliner Bäderbetriebe – und stellten fest: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder! Schnell stand fest: Die durchschwimmen wir alle! Und zwar in einem Jahr. Gesagt, getan. Was uns beim Bahnen ziehen durch den Kopf geht und warum wir meinen, dass schwimmen nicht nur überlebenswichtig, sondern ein großartiges Abenteuer ist – darum geht es hier!Ute Zill, Martina Schrey Water Sports
Episodes
  • Folge 162: Am schönsten sind die Kraul-Bahnen!
    Jul 1 2026

    Philipp Reußner - das ist der Schwimmbadtourist! Am letzten Juni-Wochenende diesen Jahres hat er im Laufe von sechs Jahren bereits 212 unterschiedliche Frei- und Hallenbäder in Europa besucht, war in England, Island, Ungarn, Österreich, Italien, Spanien, Monaco, in der Schweiz, in Frankreich - und natürlich auch in Berlin. Dort ist auch sein 212. Bad - das Sommerbad in Wilmersdorf, vielen auch als Lochow bekannt.

    Wir treffen uns an diesem heißen Samstag aber im Sommerbad am Insulaner, denn da haben wir alle zum Glück noch online-Tickets ergattert. Und nach ein paar Irritationen an der Kasse haben wir dann auch tatsächlich den Weg auf die grüne Wiese gefunden - das Schwimmen muss erstmal warten.

    Aber Philipp ist nach wie vor begeistert von seinem doch recht aufwändigem Hobby. Als wir ihn vor zwei Jahren das erste Mal trafen, hatte er gerade gut hundert Bäder geschafft - das 100. war die Alster-Schwimmhalle in Hamburg. Das 200. Bad ist ebenfalls ausgesprochen pompös: Das Centre Aquatique Olympique in Saint-Denis, nördlich von Paris. Hier fanden die Wassersportwettbewerbe bei Olympia 2024 statt, dafür wurde die Halle extra gebaut.

    Überhaupt - die Schwimmbäder in Frankreich findet Philipp ziemlich cool und ähnlich ausgefallen, was Stile und Baujahre betrifft wie in Deutschland. Begeistert haben ihn die so genannten Sonnenblumenbäder, in Frankreich in den 1970er-Jahren gebaut, bei denen sich das Dach öffnen und zur Sonne ausrichten lässt.

    In Italien oder Spanien fand er dagegen bislang hauptsächlich Zweckbauten, hier lässt sich außer dem reinen Schwimmbecken tatsächlich rein gar nichts an Verspieltheit finden. Und in Sizilien kam er erst gar nicht rein in ein Bad, weil er dafür erstmal eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt hätte vorweisen müssen.

    Philipp lässt sich von sowas nicht entmutigen, im Gegenteil - mehrmals die Woche schwimmen, immer so mindestens drei bis fünf Kilometer in nem guten Stündchen, das ist für den Franken Alltag. Am meisten freut er sich, wenn es in den Bädern nicht nur eine Sportbahn, sondern eine richtige Kraulbahn gibt, wo man also nur kraulen darf. Haben wir noch nie was von gehört, aber sind sofort begeistert. Keine Nahtod-Erfahrung mehr beim Überholen zwischen zwei Brustschwimmern! Soll es tatsächlich geben. Nur leider nicht in Berlin.

    Noch immer macht Philipp von jedem Bad und sich ein Foto - aufhängen zuhause im Flur kann er die Bilder allerdings nicht mehr, die Wände sind voll. Aber bei Instagram kann man sie sich anschauen, sieht schon cool aus. Und mittlerweile ist der Schwimmbadtourist einfach Kult - und durfte sich in Nürnberg deshalb auch die Baustelle des Volksbads anschauen, ein Jugendstilbad, das nach aufwändiger Sanierung voraussichtlich im Herbst wieder eröffnet wird.

    Inzwischen hat Philipp zudem einen Schwimm-Halbmarathon absolviert, beim 24-Stunden-Schwimmen letztes Jahr in Erlangen. In fünf Stunden und 43 Minuten - nicht schlecht! Würden wir auf keinen Fall schaffen - weder die Strecke und schon gar nicht die Zeit … aber Philipp macht als Schwimmbadtourist auf jeden Fall weiter - schließlich gibt es noch einige Bäder in Europa zu durchschwimmen.

    An diesem Wochenende wird das mit dem Meter-Machen allerdings nichts - wohl all jenen, die überhaupt noch einen Steh-Platz im Becken ergattert haben.

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    31 mins
  • Folge 161: Mittsommer - Bahnen ziehen mit Ute und Martina
    Jun 24 2026

    Es soll ja Leute geben, die gerade traurig sind – weil der längste Tag des Jahres schon vorbei ist und sich somit für die ganz Sensiblen quasi bereits der Winterankündigt. Wir dagegen freuen uns, dass die Berliner Bäderbetriebe sich dieses Jahr für den 21. Juni was ganz Besonderes ausgedacht haben – an diesem Tag konnte man nämlich im Sommerbad am Insulaner bereits ab 4:30 Uhr ins Wasser hüpfen.

    Eine von uns war um die Uhrzeit bereits dabei – und echt erstaunt, wie viele sonst noch! Um die 80 Leute hat sie schon nach wenigen Minuten allein im Schwimmerbecken gezählt. Einsam Bahnen ziehen im Morgengrauen – von wegen!

    Die Stimmung war jedenfalls großartig, von Vätern mit ihren Kindern über Rentner:innen bis hin zu After-Party-Gästenwaren so ziemlich alle da. Ein tolles Spektakel, sollte es öfter geben!

    Und auch am Abend bot das Sommerbad am Insulaner was Besonderes: Öffnungszeit bis 21:30 Uhr und gleich nebenan auch noch ein Theater-Event. Also an dem Tag war wirklich für jede und jeden was dabei.

    Wir haben aber auch mal wieder einen Ausflug über die Stadtgrenzen gemacht und uns das Stadionbad in Nürnberg angesehen. Das liegt – wie der Name schon sagt – direkt neben dem Nürnberger Frankenstadion. Das Besondere hier neben einer tollen Rutsche und einem 10-Meter-Turm: Das Freibad hat jeden Tag bis 21 Uhr geöffnet. Und es wirdsehr gut angenommen, im 50-Meter-Becken genauso wie auf den großzügigen Sportflächen.

    Was wir in den Bädern nicht gesehen haben, sind Menschen mit Smart Glasses – also Brillen, mit denen manunbemerkt Fotos machen und filmen kann. Man sollte sich damit auch nicht im Schwimmbad erwischen lassen – denn das ist grundsätzlich verboten, es könnte durchausein längeres Hausverbot drohen.

    Wir werfen aber auch noch einen Blick in die Zukunft: Am 24./25. Oktober soll nämlich im SSE in Berlin ein 24-Stunden-Schwimmen stattfinden. Jeder dort eingenommene Euro wird dann dafür eingesetzt, dass Kinder schwimmen lernen. Unterstützt wird das Event unter anderem von RoundTable 44 und der Stiftung Deutschland schwimmt, Schirmherrinist Britta Steffen. Anmelden kann man sich schon jetzt – wir sind auf jeden Fall dabei. Ihr auch?

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    22 mins
  • Folge 160: Ägypten - hier ist Schwimmen ein Privileg
    Jun 17 2026

    Diesmal sind wir bereits zu früher Stunde digital in Ägypten, genauer gesagt: in Kairo. Dort arbeitet unsere Gesprächspartnerin Nina Amin als Korrespondentin für die ARD und nutzt jede freie Minuten, um schwimmen zu gehen. Allerdings - ganz so einfach ist das nicht im Land der Pharaonen: Öffentliche Schwimmbäder gibt es hier nicht, wer in einem Pool seine Bahnen ziehen will, muss einen Club besuchen - Nina hat das Glück, einer ist direkt bei ihr um die Ecke.

    Zweimal in der Woche gibt es dort ein reines Frauenschwimmen, dann sind auch nur noch Bademeisterinnen vor Ort. Das sei immer eine richtig große Party, erzählt Nina. Dabei geht es dann weniger ums Bahnen ziehen, sondern ums hin und her schwimmen und sich dabei in aller Ruhe zu unterhalten und Spaß zu haben.

    Für die meisten Ägypter sind solche Clubs viel zu teuer. Auf dem Land gibt es oft noch nicht einmal das. Schwimmen ist kein Unterrichtsfach in der Schule, dabei liegt Ägypten im Norden direkt am Mittelmeer und im Osten am Roten Meer. Der Nil, der sich quer durch das ganze Land zieht, wird zwar oft zum Abkühlen genutzt. Hier kommt es allerdings immer wieder zu Todesfällen durch Ertrinken, weil jemand in die Strömung gerät und dann einfach untergeht, viele Ägypter behalten beim Bad im Fluss zudem ihre Kleidung an.

    Wer es sich leisten kann, bezahlt privaten Schwimmunterricht für seine Kinder, aber sehr viele Ägypter:innen können gar nicht schwimmen. Wasser ist in dem Land ein sehr kostbares Gut. Darin zu schwimmen, in Bädern seine Freizeit zu verbringen, wie es für viele Heranwachsende in Deutschland einfach selbstverständlich dazu gehört - das gibt es hier nicht.

    Badekleidungsvorschriften gibt es in den Clubs in der Regel nicht, hier sieht man Bikinis neben Burkinis bunt gemischt, erzählt Nina. So wenig wie in Clubs Fahren die meisten Ägypter:innen aber auch nicht an Meer, zum Strand. Dort gibt es meist abgegrenzte Resorts, zu vielen Strandabschnitten hat man gar keinen Zutritt. An manchen Stränden gibt es eigene Bereiche nur für Frauen. Für alle gilt immer und überall: Oben ohne geht gar nicht! Man muss nicht im Burkini ins Wasser gehen, aber schon ausreichend bedeckt sein.

    An der ägyptischen Mittelmeerküste gibt es sehr starke Strömungen - immer wieder gehen Menschen dort trotz roter Flagge ins Mehr, erst im letzten Jahr gab es einen spektakulären Fall, wo an der Küste acht Menschen ertrunken sind.

    Am Roten Meer gibt es andere Probleme. Es ist eins der schönsten Meere, die Nina kennt, erzählt sie, mit einem faszinierenden Fisch- und Korallenwelt, nach wie vor. Hier ist der Tauchtourismus noch immer stark ausgeprägt, Ägypten setzt aber vermehrt auf Korallenschutz. Nachts im Roten Meer schwimmen darf man ohnehin nicht. Nachtaktive Raubtiere wie Haie, Muränen und Steinfische beginnen dann ihre Jagd, während Strömungen und Riffkanten nicht mehr gut zu erkennen sind

    Weltklasse-Schwimmer:innen aus Ägypten gibt es durchaus - wie Farida Osman, die 2017 als erste ägyptische Schwimmerin eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft gewann. In der Regel kommen sie jedoch aus eher privilegierten Elternhäusern. Auch in Ninas Club gibt es eine Trainingsgruppe, lauter Frauen, „und alle wahnsinnig gut und schnell!“ Drei- bis viermal pro Woche werde dort trainiert, wenn sich ein Talent herauskristalliere, dann werde das vom Staat auch gefördert. Schließlich gebe es im Land auch Begeisterung für Schwimmwettkämpfe bei Olympia, erzählt Nina. Aber andere Sportarten wie Fußball stehen dann doch weit mehr im Fokus.

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    33 mins
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