Über die Freude an Gestalt und Gestaltung – Ein Gespräch (nicht nur) mit Dr. Manfred Grasshoff cover art

Über die Freude an Gestalt und Gestaltung – Ein Gespräch (nicht nur) mit Dr. Manfred Grasshoff

Über die Freude an Gestalt und Gestaltung – Ein Gespräch (nicht nur) mit Dr. Manfred Grasshoff

Listen for free

View show details

Es sind Formen und Gestalten, die Manfred und Monika Grasshoff begeistern. An der Schönheit der Natur kommen und wollen sie nicht vorbei. Soviel Romantik darf sein. Als einer der führenden Vertreter der Frankfurter Evolutionstheorie hat Dr. Manfred Grasshoff sich intensiv mit der Evolution beschäftigt und fragt sich bis heute, warum die Erkenntnisse über Konstruktion und Funktion von Organismen und ihrer Rolle in der Evolution so wenig Beachtung in der eigenen Disziplin gefunden haben.

Mit Kritik an der eigenen kritischen Evolutionstheorie muss jeder redlich wissenschaftlich Forschende leben, mit Ignoranz gegenüber berechtigten Fragen wie den Folgenden nicht: Wie funktionieren Organismen eigentlich? Wie sind sie konstruiert und könnte es sein, dass sich gerade anhand ihrer Konstruktion die Evolution des Lebens rekonstruieren lässt?

Nicht um Widerlegung Darwins ging es der Forschergruppe um Manfred Grasshoff und Wolfgang Gutmann am Senckenberg Institut in Frankfurt, aber sehr wohl um die Frage, ob die Epigonen Darwins sich allzu schnell mit Anpassung und Selektion als alleinige Erklärungsmuster für die Evolution begnügten nachdem klar wurde, dass die Erde wohl doch ein paar Jährchen älter sein dürfte als 6000.

Verwunderlich auch, weil das 19. Jahrhundert der Beginn des technischen Zeitalters war und Maschinen ihren Siegeszug antraten. Mechanik wohin man schaute, nur die Lebewesen, die sollten ihre Sonderstellung behaupten. Naturgesetze schön und gut, aber Tier und Krone der Schöpfung – der Mensch – dürfen ruhig ihren eigenen Gesetze folgen, sollen mehr sein als energiewandelnde hydraulische Konstruktionen. Bemerkenswert auch, weil der moderne Mensch sich lieber als aktiv gestaltendes Subjekt und weniger als zufälliges passiv angepasstes Objekt versteht.

Ein Gespräch über die erste heftige Erschütterung bereits mit drei Jahren, das Glück aufs Gymnasium gehen zu dürfen, die Schönheit von Spinnen samt Heureka-Erlebnis: Wenn die Zeit bei der hochkomplexen Kopulation dieser faszinierenden Tieren plötzlich still und eine existenzielle Frage im Raum steht: Wie kann denn sowas möglich sein?

Ein Rückblick auf einmal Senckenberg, immer Senckenberg, über die Liebe zum Zeichnen, die Liebe des Lebens und ein Poster als die Essenz des Lebenswerkes, namens Lappe: mit Adam und Eva samt Apfel, die staunend auf die Evolution schauen. Als natürlicher Bestandteil, nackt und ungekrönt. Eine Liebeserklärung an die Vielfalt des Leben in all seinen Facetten, an die Möglichkeiten der Gestaltung der eigenen Persönlichkeit und die Freude an der interdisziplinären Betrachtung. Verbunden mit der Einsicht, dass auch die ach so objektive Wissenschaft von Zeit, Kontext, Macht und Ignoranz nicht unberührt bleibt.

Ein ganz und gar wunderbares Gespräch über das Wunder Leben mit dem wohl schönsten Schlusssatz, den es geben kann.

adbl_web_anon_alc_button_suppression_c
No reviews yet