Runter mit den Masken: Warum die Fastenzeit besser ist als Fasching
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Aschermittwoch: Der Fasching ist vorbei. Die Zeit von Jux und Tollerei, wie wir jungen Menschen sagen würden, hat ein Ende gefunden. Endlich ist die Ballsaison in Wien vorbei, die grölenden Massen ziehen ab und das Zuckerbrot wird durch die Peitsche ersetzt. Die Fastenzeit ist da – und damit endlich wieder ein bisschen Ruhe und Bescheidenheit.
Der Alltag als eigentlicher MaskenballIch werde oft als Verkleidungsbanause bezeichnet, und das stimmt: Alles, was über das Kämmen meiner Haare hinausgeht, ist mir zu viel Aufwand. Aber ich habe eine Theorie: Diejenigen, die sich zum Fasching verkleiden, tun das eigentlich gar nicht. Die wahre Verkleidung tragen wir im Alltag. Wenn wir uns in Anzüge, Blusen und Arbeitskluft zwängen, um genau so auszusehen, wie die Gesellschaft es von uns erwartet, unterdrücken wir jede individuelle Freiheit und Kreativität.
Der Fasching ist die einzige Zeit im Jahr, in der die Menschen aufhören, sich zu verkleiden. Endlich darfst du der Clown sein, der du bist, die Meerjungfrau, die du gerne wärst, oder der Serienkiller, für den dir im Alltag der Mut fehlt. Plötzlich ist es „empowering“, wenn ein Mann als Frau geht oder umgekehrt – Kulturkämpfe pausieren für 48 Stunden, weil es ja „nur ein Spaß“ ist. Es ist faszinierend, wie dieselben Leute, die im Alltag gegen alles Fremde hetzen, im Fasching mit Begeisterung in eine andere Haut schlüpfen.
Besoffene Helden und die Rückkehr des AbschaumsWas ich am Fasching am wenigsten vermissen werde? Menschen, die bereits um 10 Uhr vormittags sturzbesoffen sind und sich dafür auch noch feiern lassen. Im Alltag ist das ein Fall für die Suchtberatung, im Fasching bist du ein Held. Ich bin froh, dass diese Leute jetzt wieder zum „Abschaum“ werden, der heimlich trinken oder seine Vorlieben im Verborgenen ausleben muss. Die Peitsche der Fastenzeit sorgt dafür, dass die gesellschaftliche Ordnung wiederhergestellt wird.
Ich persönlich faste zwar nicht – ich lasse mir doch von der Kirche nichts vorschreiben –, aber ich verstehe den Reiz der extrinsischen Motivation. Die Fastenzeit ist im Grunde nur die zweite Chance für alle, die ihre Neujahrsvorsätze schon am 3. Januar vergessen haben. Es ist die Zeit, in der man sich gegenseitig daran erinnert, dass man eigentlich abnehmen wollte oder die Kinder weniger schlagen sollte.
Fasten als Tarnung für das ExistenzminimumDas Schönste an der Fastenzeit ist jedoch ihre soziale Komponente: Sie macht uns alle gleich. Man kann den frommen Asketen nicht mehr vom armen Schlucker unterscheiden. Wenn man wie ich als Comedian und Content Creator knapp am Existenzminimum entlangschrammt, ist die Fastenzeit ein Segen.
Man muss nicht mehr zugeben, dass man sich das Abendessen beim Italiener oder die Kinokarte nicht leisten kann. Man sagt einfach: „Ich faste gerade.“ Es ist die perfekte Ausrede, um weniger zu konsumieren, weniger fortzugehen und kein Geld auszugeben. In der Fastenzeit sind wir eine Gemeinschaft – wir sind zusammen arm und nennen es Spiritualität. Das spart ordentlich Geld für die Zeit, in der uns schon wieder der nächste Konsumterror namens Ostern blüht.
Links & HinweiseYouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@comedIAN_DeBay Abonniere meinen Newsletter: https://steady.page/iandebay/newsletter/sign_up E-Mail: comedian@iandebay.com Podcast-Startseite: https://iandebay.com/die-zu-spaet-show
Die Folge über Alkohol: