#11/8: Tune out the Noise cover art

#11/8: Tune out the Noise

#11/8: Tune out the Noise

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David Mayer-Heinisch hat Froots 2020 in Wien gegründet, um Vermögensverwaltung aus der Nische der Vermögenden zu holen. In dieser Folge von „Less of the Same“ sitzt er Helmut Stekl gegenüber, der ihm statt Fragen eine Sammlung von Zitaten mitgebracht hat. Heraus kommt ein Gespräch über Aufmerksamkeit, Zeit und Urteilsvermögen – und darüber, was von allen dreien übrig bleibt, wenn Maschinen die Antworten liefern. Am Anfang steht die Sea of Sameness, übersetzt in die Sprache des Kapitalmarkts. Jede Nachricht, jeder Tweet ist Sekunden später im Preis. Die Welt macht kurzfristige Wetten auf langfristige Ergebnisse, obwohl sich unternehmerische Entscheidungen erst nach Jahren manifestieren. Vor zwanzig, dreißig Jahren lag die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie bei sieben Jahren, heute sind es Monate. Was froots dagegensetzt, heißt Tune out the noise: herausfiltern, was langfristig entscheidend ist. Spannend wird es dort, wo er die Grenze der Maschine zieht. KI nehme dem Menschen genau die Arbeit ab, in der er keinen Mehrwert hat – bleibt die Aufgabe, herauszudestillieren, wo er einen hat. Der Computer sei die Summe dessen, was er da draußen findet, und könne deshalb nur more of the same liefern; die großen Richtungswechsel erkenne er nicht. Sein Bild dafür: Man arbeitet mit dem Computer, aber gegen ihn, und sucht systematisch seine toten Winkel. Dass Abweichung kein Stilmittel ist, sondern Geschäftsgrundlage, führt er ruhig aus. Wer alles macht wie alle, kann per Definition keine Outperformance haben. Der Vorteil liege aber nicht darin, die Zukunft besser zu kennen, sondern darin, die immer gleichen menschlichen Fehler zu erkennen: Wir vergessen, dass alles zyklisch ist. Wir schreiben gute wie schlechte Jahre einfach fort. In der Euphorie vergessen wir die Risiken, im Pessimismus die Chancen. Beim Stichwort data rich but insight poor wird das Gespräch selbstkritisch. Bei froots werde jede vergangene Entscheidung daraufhin geprüft, ob sie aus den richtigen oder den falschen Gründen gut ausgegangen ist. Das mache bescheiden, weil man Gewinne oft einer Logik zuschreibt, die gar nicht die Grundlage war. Wer 55 Prozent richtig liegt, hat bereits einen riesigen Vorteil. Wichtiger als die Menge der Entscheidungen sei ohnehin ihre Flughöhe: lieber zwei richtige im Jahr als hundert beliebige. Zur Verinselung, die wir Islandification nennen, hat er eine differenzierte Position. Ja, Unternehmen sind sehr gut darin geworden, zu liefern, was die meisten wollen: Die ersten zehn Sekunden müssen ziehen, der Rest verschwindet im Brei. Was dabei herausfällt, ist das Überraschende, das Geniale. Gleichzeitig beobachtet er, dass Menschen, die zwanzig Jahre alles selbst gemacht haben, genau dann wieder einen Menschen suchen, wenn es sich nach viel Geld anfühlt oder die Märkte schwanken. Beim Thema Europa wird er deutlich und optimistisch zugleich. Wir haben lange über unsere Verhältnisse gelebt, und alte Institutionen werden mit jedem Jahrzehnt unbeweglicher – aber das Fundament sei da, es brauche nur den Mut, ein paar heilige Kühe zu schlachten. Ähnlich bei der KI-Blase: Die eingepreisten Erwartungen seien erstaunlich hoch, die entfesselte Innovationswelle aber real, und wer am Ende monetarisiert, wisse heute niemand. Am Ende steht die Frage, die dem Podcast seinen Namen gibt. Wer oberflächlich fragt, produziert nur schneller mehr vom Falschen. Deshalb hinterfragen sie bei froots regelmäßig die eigenen Fragen, tauschen einzelne aus und testen, ob das Gesamtkonstrukt besser funktioniert. Und deshalb plädiert er für etwas ausgesprochen Unmodisches: Langeweile. U- Bahn ohne Handy, Berge ohne Kopfhörer, drei Stunden, ein Blatt Papier, ein Glas Wasser. Weniger Tempo, mehr Nachdenken: echtes Less of the Same.
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